Ein Pariser Gericht hat den französischen Zementhersteller Lafarge am Montag der Terrorismusfinanzierung und des Verstoßes gegen europäische Sanktionen schuldig gesprochen. Das Unternehmen hatte während des syrischen Bürgerkriegs Zahlungen an Dschihadistengruppen geleistet, um den Betrieb seines Zementwerks in Nordsyrien aufrechtzuerhalten.

Nach Angaben des Gerichts zahlte Lafarge zwischen 2013 und 2014 insgesamt etwa 6,5 Millionen Dollar an verschiedene bewaffnete Gruppen, darunter die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und andere Dschihadistenmilizen. Diese Zahlungen dienten als Schutzgeld, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten und den kontinuierlichen Betrieb des Werks in Jalabiya zu ermöglichen.
Neben dem Unternehmen wurden auch acht ehemalige Führungskräfte von Lafarge in dem Verfahren verurteilt. Sie hatten die Entscheidungen über die Zahlungen an die bewaffneten Gruppen getroffen und umgesetzt, während sich die Sicherheitslage in der Region dramatisch verschlechterte.
Das Zementwerk in Jalabiya befand sich in einer strategisch wichtigen Region Nordsyriens, die während des Bürgerkriegs heftig umkämpft war. Verschiedene Milizen, darunter kurdische Kräfte, syrische Rebellen und später auch der IS, kontrollierten zeitweise Gebiete in der Umgebung des Werks. Lafarge sah sich mit der schwierigen Entscheidung konfrontiert, entweder die Anlage zu schließen oder Vereinbarungen mit den jeweiligen Machthabern zu treffen.
Der Fall ist nicht der erste seiner Art gegen Lafarge. Bereits 2022 bekannte sich das Unternehmen vor einem US-amerikanischen Gericht schuldig, materielle Unterstützung für als terroristisch eingestufte Organisationen geleistet zu haben. Lafarge stimmte damals einer Geldstrafe von 778 Millionen Dollar zu – dem ersten Fall, in dem ein Konzern in den USA wegen Terrorismusfinanzierung angeklagt wurde.
Lafarge gehört mittlerweile zum Schweizer Baustoffkonzern Holcim, der das französische Unternehmen 2015 übernommen hatte. Die aktuellen rechtlichen Probleme stammen jedoch aus der Zeit vor der Übernahme und betreffen Entscheidungen der damaligen Lafarge-Führung.
Der syrische Bürgerkrieg, der 2011 begann, stellte viele internationale Unternehmen vor schwierige ethische und rechtliche Entscheidungen. Während einige Firmen ihre Aktivitäten in dem Land einstellten, versuchten andere, durch Vereinbarungen mit lokalen Machthabern ihre Geschäfte fortzusetzen. Der Lafarge-Fall zeigt die rechtlichen Risiken solcher Strategien auf.
Die Verurteilung könnte weitreichende Folgen für andere multinationale Konzerne haben, die in Konfliktgebieten tätig sind. Juristen sehen in dem Urteil einen wichtigen Präzedenzfall für die strafrechtliche Verantwortung von Unternehmen bei der Finanzierung von Terrorgruppen, auch wenn dies indirekt durch Schutzgeldzahlungen geschieht.
Die genaue Höhe der Strafe für Lafarge und die verurteilten Führungskräfte wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Das Urteil unterstreicht jedoch die zunehmende Bereitschaft europäischer Gerichte, Unternehmen für ihre Aktivitäten in Konfliktgebieten zur Rechenschaft zu ziehen, insbesondere wenn diese zur Finanzierung von Terrororganisationen beitragen.
Schnell erfassen
Lafarge bekannte sich 2022 in den USA schuldig und zahlte 778 Millionen Dollar Strafe
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Mittlere Divergenz · 4 Quellen · 3 Regionen
Was offen bleibt
Die Berichterstattung ist nicht völlig gespalten, aber auch nicht deckungsgleich. Das macht den Vergleich nützlich: Die Faktenbasis zeigt den gemeinsamen Kern, die Perspektiven zeigen, wo politische, regionale oder institutionelle Interessen die Gewichtung verändern.
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Unterbelichtete Aspekte
- Detaillierte Erklärung der Geschäftsmotivation
- Kontext der schwierigen Sicherheitslage für Unternehmen
- Spezifische Details zu den Zahlungen
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Was gesichert ist
- Lafarge bekannte sich 2022 in den USA schuldig und zahlte 778 Millionen Dollar Strafe
- Lafarge zahlte etwa 6,5 Millionen Dollar an Terrorgruppen einschließlich des Islamischen Staates
- Ein Pariser Gericht verurteilte Lafarge wegen Terrorismusfinanzierung und Verstoß gegen europäische Sanktionen
- Acht ehemalige Führungskräfte wurden in dem Fall verurteilt
Warum es wichtig ist
Die Berichterstattung ist nicht völlig gespalten, aber auch nicht deckungsgleich. Das macht den Vergleich nützlich: Die Faktenbasis zeigt den gemeinsamen Kern, die Perspektiven zeigen, wo politische, regionale oder institutionelle Interessen die Gewichtung verändern.
Chronologie
Al-Monitor · 13. April 2026 um 02:00
French court rules Lafarge guilty of funding Syria jihadists
France24 · 13. April 2026 um 10:39
French cement-maker Lafarge found guilty of financing jihadists in Syria
TRT World · 13. April 2026 um 11:41
French cement maker Lafarge found guilty of financing Daesh in Syria
Daily Maverick · 13. April 2026 um 13:11
French cement maker Lafarge found guilty of financing jihadists in Syria