Die jemenitische Huthi-Bewegung hat nach eigenen Angaben am Samstag einen Raketenangriff auf die saudi-arabische Stadt Jizan verübt. Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden, nachdem die Iran-nahe Gruppe angekündigt hatte, sich für saudische Angriffe auf ihre Stellungen zu rächen. Der Vorfall markiert eine neue Eskalationsstufe in einem Nahost-Konflikt, der sich seit Monaten immer weiter ausbreitet und inzwischen mehrere Fronten gleichzeitig umfasst.

Hintergrund des Angriffs ist eine Serie wechselseitiger Vergeltungsschläge zwischen den Huthis und Saudi-Arabien. Am Freitag hatte die saudische Luftwaffe militärische Ziele der Huthis in der Hafenstadt Hodeida angegriffen. Nach Angaben huthi-naher Medien wurden dabei zwei Menschen verletzt. Die Huthis hatten zuvor eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien, den größten Ölexporteur der Welt, verhängt und saudische Schiffe im Roten Meer angegriffen. Berichten zufolge begann diese Blockade bereits am Montag jener Woche und störte den Schiffsverkehr durch die Straße von Bab al-Mandab, eine zentrale Route zwischen Asien und Europa über den Suezkanal.
Die Huthi-Bewegung, offiziell als Ansar Allah bekannt, wirft Saudi-Arabien eine „gefährliche Eskalation“ vor. Ihr politisches Büro erklärte laut Berichten der Nachrichtenagentur Tasnim, die jüngsten saudischen Aktionen würden „nicht unbeantwortet bleiben“. Diese Ankündigung ging dem Angriff auf Jizan unmittelbar voraus.
Der Konflikt zwischen den Huthis und Saudi-Arabien steht nicht isoliert, sondern ist Teil eines größeren regionalen Kriegsgeschehens, das nach US-israelischen Angriffen auf den Iran im Februar an Fahrt aufgenommen hat. Der Iran, der die Huthis seit Jahren unterstützt, hat parallel eine eigene Blockade der Straße von Hormuz verhängt – der einzigen weiteren wichtigen Seeroute Saudi-Arabiens für den Ölexport. Damit sieht sich das Königreich gleich an zwei kritischen maritimen Nadelöhren unter Druck.
In den USA prüft die Regierung von Präsident Donald Trump derweil härtere militärische Schritte gegen den Iran. Trump erklärte, die USA seien „locked and loaded“ und drohte Teheran sowie dessen Huthi-Verbündeten in Jemen mit „großer militärischer Bestrafung“. Gleichzeitig ließ er die Tür für eine diplomatische Lösung mit dem Iran offen, betonte jedoch, er glaube nicht, dass „jetzt der richtige Zeitpunkt“ für eine Vereinbarung sei. Nach Angaben von South China Morning Post schlugen US-Raketen am Freitag erneut Ziele im Iran, nachdem das US-Militär zuvor 13 Nächte in Folge Angriffe auf iranische militärische Ziele gemeldet hatte – am Samstag blieb eine solche tägliche Ankündigung erstmals aus.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch einen Vorfall im Zusammenhang mit der amerikanischen Blockade iranischer Häfen. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit, ein Tanker, der versucht habe, diese Blockade zu umgehen, sei von US-Streitkräften „außer Gefecht gesetzt“ worden. Laut einem Sprecher, Kapitän zur See Tim Hawkins, habe die Besatzung mehrfach versucht, die Blockade zu durchbrechen, sei wiederholt gewarnt worden und habe sich nicht daran gehalten. Daraufhin hätten US-Kräfte das Schiff durch Beschuss des Maschinenraums manövrierunfähig gemacht. Das Schiff befinde sich nicht mehr auf dem Weg in den Iran, hieß es weiter.
Experten warnen bereits seit Tagen vor den wirtschaftlichen Folgen der Eskalation. Laut einer Einschätzung, die von der Nachrichtenagentur TASS wiedergegeben wurde, würde eine anhaltende Störung der Schifffahrt durch die Bab-al-Mandab-Straße für Saudi-Arabien zu höheren Sicherheitskosten und geringerer Flexibilität bei Exportlieferungen führen. Die britische BBC berichtete zudem, dass die Huthi-Angriffe generell Sorgen vor einem breiteren Nahost-Konflikt und weiteren globalen wirtschaftlichen Schäden schüren, insbesondere mit Blick auf die Bedeutung der betroffenen Schifffahrtsrouten für den Welthandel.
Offen bleibt, wie Saudi-Arabien auf den jüngsten Angriff auf Jizan reagieren wird und ob es zu einer weiteren Eskalationsspirale zwischen dem Königreich und den Huthis kommt. Ebenso unklar ist, welche konkreten Schritte die Trump-Administration gegen den Iran als Nächstes plant und ob diplomatische Bemühungen parallel zu den militärischen Drohungen eine Rolle spielen werden. Die verschiedenen Fronten – der direkte Konflikt zwischen den USA und Israel gegen den Iran, die iranische Blockade der Straße von Hormuz sowie nun die wechselseitigen Angriffe zwischen Saudi-Arabien und den Huthis – erhöhen insgesamt das Risiko einer weiteren regionalen Ausweitung des Konflikts mit potenziell erheblichen Folgen für die globale Ölversorgung und den internationalen Schiffsverkehr.
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