Israelische Streitkräfte haben die historische Beaufort-Burg im Südlibanon erobert und damit ihre tiefste Invasion in das Nachbarland seit über 25 Jahren markiert. Die Einnahme der 900 Jahre alten Kreuzritterburg auf einem strategischen Bergrücken erweitert Israels militärische Kontrolle über den Litani-Fluss hinaus in Richtung des Zahrani-Flusses. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete die Eroberung als "dramatischen Wendepunkt" in Israels Libanon-Offensive und kündigte eine weitere Vertiefung der Bodenoperationen an.

Die Beaufort-Burg, auf Arabisch Qalaat al-Shaqif genannt, liegt etwa fünf Kilometer von der größeren Südstadt Nabatieh entfernt und bietet einen strategischen Aussichtspunkt über weite Teile des Südlibanon und Nordisraels. Die Eroberung erfolgte nach tagelangen intensiven Luftangriffen und Bodenkämpfen in umliegenden Dörfern, bei denen israelische Truppen gegen Hisbollah-Kämpfer in dem bergigen Gelände kämpften. Israelische Soldaten hissten sowohl die israelische Flagge als auch die Fahne der Golani-Brigade auf der mittelalterlichen Festung.
Die Einnahme der Burg hat besondere symbolische Bedeutung, da Israel sie während seiner 20-jährigen Besatzung des Südlibanon von 1982 bis 2000 als militärischen Stützpunkt nutzte. Netanyahu betonte in einer Videobotschaft: "Heute sind wir auf andere Weise nach Beaufort zurückgekehrt. Wir sind vereint, entschlossen und stärker als je zuvor zurückgekehrt." Er beschrieb die Eroberung als "dramatische Etappe und dramatische Wende in der Politik, die wir verfolgen" und erklärte, Israel habe "die Barriere der Angst durchbrochen".
Die aktuelle Eskalation erweitert Israels militärische Präsenz über die sogenannte "Gelbe Linie" hinaus, eine Demarkationszone, die Israel im April nach einem nominellen Waffenstillstand etabliert hatte. Mit der Eroberung von Beaufort dringen israelische Streitkräfte nun deutlich über den Litani-Fluss vor, der zuvor als de facto Grenze ihrer Operationen galt. Israel hat neue Evakuierungsbefehle für libanesische Zivilisten südlich des Zahrani-Flusses erlassen und das gesamte Gebiet zwischen Litani und Zahrani zur Konfliktzone erklärt.
Parallel zur Bodenoffensive hat Israel intensive Bombardements der südlibanesischen Küstenstadt Sour (auch bekannt als Tyrus) durchgeführt. Libanesische Medien berichten von den schwersten Angriffen auf die Stadt seit März, wobei Gebäude im Stadtzentrum vollständig zerstört und mehrere Menschen verletzt wurden. Die Angriffe erfolgten teilweise in schneller Folge, mit israelischen Streitkräften, die dasselbe Gebiet im Zentrum von Sour kurz nach einem ersten Angriff erneut bombardierten.
Die Hisbollah reagierte auf die israelische Offensive mit Vergeltungsangriffen auf nordisraelische Ziele. Die vom Iran unterstützte Miliz griff israelische Armeestellungen und Infrastruktur in Shlomi und Nahariya an, während Luftschutzsirenen in der Region Akko heulten. Diese Eskalation setzt sich fort, obwohl libanesische und israelische Militärvertreter erst kürzlich ihre ersten direkten Gespräche seit Jahrzehnten im Pentagon geführt hatten.
Der aktuelle Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah begann Anfang März, als die Miliz Raketen auf Israel abfeuerte. Dies geschah als Vergeltung für die Tötung des iranischen Obersten Führers durch die USA und Israel. Seitdem hat sich der Konflikt stetig intensiviert und den Libanon in den breiteren Nahostkrieg hineingezogen. Die beiden Länder befinden sich seit der Gründung Israels 1948 technisch im Kriegszustand.
Die Eroberung von Beaufort markiert den bedeutendsten militärischen Gewinn für Israel seit Beginn des jüngsten Israel-Hisbollah-Krieges im März. Militärexperten sehen in der Einnahme der strategischen Höhenlage ein Zeichen dafür, dass Israel eine längere militärische Präsenz im Libanon plant. Die Burg kontrolliert wichtige Verkehrswege und bietet Überwachungsmöglichkeiten über ein weites Gebiet.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit wachsender Sorge, da die Ausweitung der israelischen Bodenoffensive das Potenzial für eine weitere regionale Eskalation birgt. Die Eroberung von Beaufort und die damit verbundene Überschreitung des Litani-Flusses stellen eine deutliche Intensivierung der israelischen Militäraktionen dar und werfen Fragen über die Zukunft der Stabilität in der Region auf. Unklar bleibt, wie weit Israel seine Operationen im Libanon noch ausdehnen wird und welche langfristigen Auswirkungen dies auf die bereits fragile Sicherheitslage im Nahen Osten haben könnte.
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- Dies ist Israels tiefste Invasion in den Libanon seit über 25 Jahren
- Netanyahu bezeichnete die Eroberung als 'dramatischen Wendepunkt' in der Libanon-Offensive
- Israelische Streitkräfte haben die Beaufort-Burg im Südlibanon erobert
- Hisbollah hat israelische Stellungen in Shlomi und Nahariya angegriffen
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