Am Rande der UN-Generalversammlung in New York trafen sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump am Dienstag zu einem bilateralen Gespräch, bei dem Selenskyj einen begrenzten Waffenstillstand vorschlug: Beide Seiten sollten Angriffe auf die jeweilige Energieinfrastruktur einstellen. Trump äußerte sich nach dem Treffen zuversichtlich und erklärte, man werde „einen Deal machen“, ohne jedoch konkrete Bedingungen oder einen Zeitplan zu nennen.

Der Vorschlag fällt in eine Phase, in der sowohl Russland als auch die Ukraine ihre Angriffe auf Energieanlagen der jeweils anderen Seite intensiviert haben. Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten tausende weitreichende Drohnen entwickelt und eingesetzt, um russische Lagerstätten, Hafenanlagen und Ölraffinerien anzugreifen. Russland wiederum setzt seine Angriffe auf ukrainische Strom- und Heizinfrastruktur fort, was angesichts des nahenden Winters für die ukrainische Zivilbevölkerung besonders gravierende Folgen haben könnte.
Nur wenige Stunden nach dem Treffen zwischen Selenskyj und Trump griff Russland Kiew erneut mit Drohnen an. Mehrere Berichte sprechen von zwei bis sechs Toten und mehr als 20 Verletzten bei Angriffen am helllichten Tag auf die ukrainische Hauptstadt. Diese Angriffe ereigneten sich nur Stunden vor Selenskyjs geplanter Rede vor der UN-Generalversammlung und wurden von mehreren Beobachtern als Zeichen dafür gewertet, dass eine Einigung über eine Energie-Waffenruhe kurzfristig nicht in Sicht ist.
In seiner Rede vor der Generalversammlung ging Selenskyj deutlich weiter als in den bisherigen diplomatischen Signalen. Er warnte Moskau vor einem „schmerzhaften Winter“, sollte Russland die Verhandlungen über eine Energie-Waffenruhe scheitern lassen, und kündigte an, die Ukraine werde in diesem Fall verstärkt russische Energieanlagen ins Visier nehmen. Zugleich erklärte er, Präsident Wladimir Putin sei „patient zero“ des russischen Angriffskriegs und trage die persönliche Verantwortung für dessen Fortsetzung. Nach Angaben Selenskyjs kostet jeder von Russland eroberte Kilometer ukrainischen Territoriums im Schnitt 248 Menschenleben.
Selenskyj nutzte seine Rede zudem, um auf die internationale Dimension des Krieges hinzuweisen. Er warf Russland vor, Kämpfer aus 47 verschiedenen Ländern zu rekrutieren, darunter Staatsangehörige aus Nordkorea, Ghana und Indien. Besonders die militärische Kooperation zwischen Russland und Nordkorea stand im Fokus: Selenskyj bestätigte, dass die Ukraine zwei gefangene nordkoreanische Soldaten, die im Januar 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen worden waren, kürzlich nach Südkorea überstellt habe. Einer der beiden Soldaten habe bei seiner Gefangennahme versucht, sich das Leben zu nehmen – ein Vorfall, den Selenskyj als Beleg für die Erziehung und Behandlung von Soldaten in Nordkorea wertete.
Parallel zu den Gesprächen über eine Energie-Waffenruhe erklärte Selenskyj, die Ukraine sei auch bereit für eine maritime Waffenruhe im Schwarzen Meer und warte nun auf eine entsprechende Reaktion Moskaus. Die US-Regierung machte offiziell deutlich, dass sie sich sowohl von Russland als auch von der Ukraine ein Ende der Angriffe auf Energieanlagen wünsche – eine Position, die Trumps Äußerungen zur angeblichen Übereinkunft zwischen beiden Seiten vorausging, auch wenn unklar blieb, wie belastbar diese Einschätzung tatsächlich war.
Als möglichen nächsten Schritt in den Bemühungen um ein Ende des seit über viereinhalb Jahren andauernden Krieges nannte Selenskyj den G20-Gipfel im Dezember als potenziellen Ort für ein trilaterales Treffen zwischen der Ukraine, den USA und Russland. Bislang liegt jedoch keine offizielle russische Reaktion auf den Vorschlag einer Energie-Waffenruhe vor. Die widersprüchliche Gleichzeitigkeit von diplomatischen Signalen und fortgesetzten Angriffen macht deutlich, dass der Ausgang der Initiative offen bleibt und maßgeblich davon abhängen wird, ob beide Kriegsparteien tatsächlich zu einer Deeskalation bereit sind, bevor der Winter mit voller Härte einsetzt.
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Die Ukraine übergab zwei gefangene nordkoreanische Soldaten an Südkorea
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Ein mögliches trilaterales Treffen zwischen Ukraine, USA und Russland beim G20-Gipfel im Dezember wird als Option diskutiert
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- Die Ukraine übergab zwei gefangene nordkoreanische Soldaten an Südkorea
- Selenskyj und Trump trafen sich am 22. September 2026 in New York und besprachen einen möglichen Energie-Waffenstillstand
- Selenskyj warnte, Russland stehe ein 'schmerzhafter Winter' bevor, sollten die Gespräche über eine Energie-Waffenruhe scheitern
- Selenskyj erklärte, Russland setze Kämpfer aus 47 Ländern ein, darunter Nordkorea, Ghana und Indien
Was offen bleibt
- Ein mögliches trilaterales Treffen zwischen Ukraine, USA und Russland beim G20-Gipfel im Dezember wird als Option diskutiert
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Chronologie
India Today · 24. September 2026 um 05:56
Zelenskyy warns 47 countries as Russia uses foreign recruits in Ukraine war
The Independent · 24. September 2026 um 07:53
Two North Korean soldiers captured by Ukraine sent to South Korea, Zelensky says
Ukrinform · 24. September 2026 um 07:59
Zelenskyj: G20 könnte Ort für trilaterales Treffen Ukraine-USA-Russland sein
ABC News · 24. September 2026 um 09:42
Zelenskyy says Ukraine sent 2 North Korean prisoners of war to South Korea