Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum 24. Juli erneut Lagerhäuser des russischen Online-Händlers Wildberries angegriffen und damit eine seit dem 18. Juli andauernde Serie von Angriffen auf die Logistikinfrastruktur des Unternehmens fortgesetzt. Betroffen waren nach übereinstimmenden Berichten mehrere Standorte in der Region St. Petersburg und im Leningrader Gebiet sowie im russisch besetzten Krim. Nach Angaben von Wildberries wurden Betriebe in Schuschary bei St. Petersburg und in der Industriezone „Utkina Sawod“ im Leningrader Gebiet nach den Angriffen vorübergehend eingestellt. Damit handelt es sich um den vierten beziehungsweise nach Zählung anderer Medien fünften Angriff auf Wildberries-Einrichtungen innerhalb einer Woche.

Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigte, dass durch den Angriff mindestens drei Menschen verletzt wurden. Ein Lagerhaus geriet in Brand, örtliche Behörden meldeten zudem Schäden an ziviler Infrastruktur in der Umgebung. Über das genaue Ausmaß der Zerstörung an den Gebäuden selbst liegen bislang keine verlässlichen unabhängigen Angaben vor. Zeugenberichte und Aufnahmen aus sozialen Netzwerken zeigten brennende Lagerhallen sowohl in St. Petersburg als auch in der Region Twer sowie im besetzten Simferopol auf der Krim, wo laut ukrainischen Quellen ebenfalls Explosionen zu hören waren.
Die aktuelle Angriffsserie reiht sich in eine bereits Ende der vergangenen Woche begonnene Kampagne ein. Nach Angaben von France24 hat die Ukraine seit dem 18. Juli insgesamt fünf Wildberries-Lagerhäuser angegriffen. Bei einem besonders schweren Vorfall am vergangenen Samstag wurden demnach acht Nachtschichtarbeiter in einem Lagerhaus außerhalb Moskaus getötet, mehrere Dutzend weitere Menschen wurden verletzt. Die Moscow Times berichtete zudem, dass bei den Angriffen vom vergangenen Wochenende mehr als 70 Menschen verletzt wurden, darunter auch zwei kirgisische Staatsbürger. Die Regierung Kirgisistans rief daraufhin ihre in Russland lebenden Bürger zur Vorsicht auf.
Wildberries ist der größte Online-Händler Russlands und wird in internationalen Medien häufig als russisches Pendant zu Amazon beschrieben. Das Unternehmen betreibt ein landesweites Netz aus Logistikzentren, über die ein erheblicher Teil des russischen Onlinehandels abgewickelt wird. Laut einer Analyse der kanadischen Zeitung Globe and Mail hat sich Wildberries damit zu einem Ziel entwickelt, das im Zentrum der russischen Konsumwirtschaft steht – ein für frühere Angriffsmuster der Ukraine eher untypisches Ziel, das nun offenbar zunehmend in den Fokus rückt.
Die Gründe für die gezielte Auswahl von Wildberries-Standorten sind in den vorliegenden Berichten nicht abschließend belegt. Diskutiert wird unter anderem, dass die Lagerkomplexe neben zivilem Warenverkehr auch für logistische Zwecke im Zusammenhang mit der russischen Kriegsführung genutzt werden könnten, worauf einzelne Berichte hindeuten, ohne dass dies unabhängig bestätigt wurde. Offizielle ukrainische Stellungnahmen zur konkreten Zielauswahl liegen in den ausgewerteten Quellen nicht vor.
Parallel zu den Angriffen auf Wildberries meldete Russland eigene Offensivmaßnahmen gegen die Ukraine. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht drei ukrainische Häfen angegriffen zu haben, wobei Lade- und Löscheinrichtungen sowie Treibstoffreserven getroffen worden seien, die nach russischer Darstellung der Versorgung der ukrainischen Streitkräfte dienten. Diese Angaben stammen von russischer Seite und konnten in den vorliegenden Quellen nicht unabhängig verifiziert werden.
Darüber hinaus wurden in den vergangenen Tagen weitere russische Regionen von Drohnenangriffen betroffen. In der Grenzregion Brjansk wurde nach TASS-Angaben ein Sicherheitsmitarbeiter einer Anlage des Agrarkonzerns Miratorg durch Granatsplitter verletzt. Im besetzten Krim kam es zu Bränden an Umspannwerken in Jalta und Aluschta. Die südrussische Region Krasnodar kündigte angesichts der zunehmenden Angriffe verstärkte Schutzmaßnahmen an.
Berichte unterscheiden sich teils in Details wie der genauen Zahl der betroffenen Standorte und der Reihenfolge der Angriffe innerhalb der vergangenen Woche, was auf die Schnelligkeit der Berichterstattung sowie unterschiedliche Zählweisen einzelner Vorfälle zurückzuführen sein dürfte. Offen bleibt derzeit, wie lange die Betriebsunterbrechungen bei Wildberries andauern werden und ob die Angriffsserie auf das Unternehmen fortgesetzt wird. Auch eine offizielle Gesamtbilanz zu Verletzten und Sachschäden über alle Standorte hinweg liegt bislang nicht vor.
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Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum 24.
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Chronologie
Meduza · 24. Juli 2026 um 09:16
Ukraine bombardiert zum vierten Mal in einer Woche Wildberries-Lagerhäuser in Russland
Moscow Times · 24. Juli 2026 um 09:47
Ukraine Strikes Wildberries Warehouses in St. Petersburg and Surrounding Region
Straits Times · 24. Juli 2026 um 09:47
Russia says it hit three Ukrainian ports overnight striking infrastructure and fuel
TASS · 24. Juli 2026 um 09:58
Wildberries warehouses in Russia targeted again in overnight Ukrainian drone attacks